Das Einzel-Coaching für die NextGen in Familienunternehmen

Vor vielen Jahren war ich der »Kronprinz« für das Unternehmen meines Vaters in der Sanitärbranche - und habe mich gegen die Übernahme entschieden. Ich wurde Unternehmensberater und schließlich Coach für »ÜbernehmerInnen«, wie ich sie nenne, denn: NachfolgerInnen folgen nur nach!

Seit 1997 begleite ich NextGen-KlientInnen - die nächste Generation in Familienunternehmen - im Einzel-Coaching. Ich kooperiere mit der INTES-Akademie für Familienunternehmen und dem Haus Next - Die Plattform von Next Gens für Next Gens zu den Themen Selbstreflexion, Selbstführung und Selbstwirksamkeit.


Was ist das Besondere am NextGen-Coaching?

In jeder Phase einer Übergabe ist Coaching hilfreich: Vor der Entscheidung, ob es überhaupt sinnvoll ist, ins Unternehmen einzutreten; nach der Entscheidung, noch vor der tatsächlichen Übernahme, um die nächsten Schritte zu planen; und nach der Übernahme, in der Alleinverantwortung. Hier helfen in jeder Phase die Fragen: Wie sind meine Beziehungen in meiner eigenen Familie, im Unternehmen und in der Herkunftsfamilie zu den Eltern, Großeltern, Geschwistern, Onkel und Tanten, Cousinen und Cousins? Wie ist meine Beziehung zum Unternehmen, zu Kolleg*innen, Mitarbeiter*innen, Kund*innen? Und allumfassend: Wie ist meine Beziehung zu mir selbst, was sind meine Träume, Ziele, Zweifel und Erkenntnisse?

Im Coaching entwickeln sich ÜbernehmerInnen von der Selbstreflexion über die Selbstführung zur Selbstwirksamkeit - sie erfahren: Ich bin mir selbst eine Ressource in allen Lebenslagen. Denn Familienunternehmen sind hochkomplex, schon die Bezeichnung stiftet Verwirrung: Was hat Vorrang, Familie oder Unternehmen?

NextGens erleben die Coaching-Begleitung praxisnah im Sinn von »Das unterstützt mich jetzt, um mit der momentanen Situation umzugehen«. Mit konkreten Übungen gehen sie aus der Coaching-Praxis in den Unternehmensalltag zurück, experimentieren mit veränderter Wahrnehmung und formen neue Verhaltensmuster, zum Beispiel: Ich halte stand im Hier + Jetzt; wer trägt was an mich heran und mit welcher Intention? Oder: Ich entscheide mich bewusst für die Rolle des Entscheiders, ich erkenne mich selbst an.


Was sind die Themen im NextGen-Coaching?

Für Haus Next habe ich ÜbernehmerInnen-Coachings aus zwei Jahrzehnten ausgewertet, über 400 Sessions von 2000 bis 2021. Die Themenfelder lassen sich drei konkreten Kategorien zuordnen: Persönlichkeit, Familie und Unternehmen. In diesen Feldern finden sich inzwischen über 600 Themen, die im Laufe der Jahre gemeinsam bearbeitet wurden. Doch was heißt denn »bearbeitet«? Coaching beginnt immer mit der Wahrnehmung: Was passiert hier? Wie verhalte ich mich gerade? Was tun die Anderen? Welche Gedanken gehen mir durch den Kopf? Was blockiert mich, was fördert mich?

Im Coaching stehen die Beziehungsthemen zu mir selbst, zur Familie und zum Unternehmen im Vordergrund - für Sachthemen konsultieren ÜbernehmerInnen die KollegInnen von der Expertenberatung. Hier nun eine Auswahl aus 20 Jahren NextGen-Coaching - übertragen von den Flipchart-Dokumentationen im Original-Ton. Klicken Sie auf die Plus-Zeichen:

Thema: Beziehung zu mir selbst

  • Ich muss mich nicht verändern, ich verändere nur die Rolle
  • Wie viel Kapazität habe ich, wie viel kann ich steuern? Wie führe ich mich selbst?
  • Mut zur Selbstoffenbarung: Ich sage, wie es mir gerade geht
  • Selbstzweifel als Wegbegleiter
  • Haltung: Es kommt, wie es kommt; das darf sein; das ist in Ordnung; es kann sein oder nicht sein; die machen das, wie sie es machen
  • Meine Talente: Gespür für das Zwischenmenschliche, Strukturen entwickeln, Neugier und Freude am Tun, Interesse an den MenschenIdentität und Selbstreflexion: Wer bin ich denn? Was brauche ich wirklich?

Thema: Beziehung zur Familie

  • Klare Nachfolge: Wer entscheidet? Wer verkündet die Entscheidung an Mitarbeiter*innen?
  • Klare Aufgabenverteilung, Rolle Entscheider, Rolle Berater
  • Ablösung vom Unternehmer-Vater = akzeptieren = energetisch auflösen, Familienaufstellung machen
  • Machtspiele, Situationskontrolle: Was passiert hier genau? Wer ist beteiligt? Wer hat welches Motiv? Alle müssen sich neu positionieren = die Situation kontrollieren, alle testen ihre Grenzen aus
  • Tue ich es für mich oder für meine Eltern? Kann ich mit meinen Geschwistern? Wie viel Distanz brauche ich?
  • Ich kümmere mich um mich selbst; früher war das egoistisch = schlecht in der Familie

Thema: Beziehung zum Unternehmen

  • Ich bin verantwortungsvoll Unternehmer = ich arbeite in dieser Verantwortung = passiert auf der realen Geschichte = ich entscheide mich für einen Weg
  • Meine Mitarbeiter als Experiment: Jeder ist am richtigen Platz, jeder entwickelt sich, ich sehe jeden einzelnen in seiner wahren Größe, ich gebe mir selbst Perspektive
  • Unternehmensverkauf und Abschied: Ich will frei sein, ist eine Sehnsucht, ich bin jetzt, raus aus der Verantwortung, dann ein Jahr kein Kontakt
  • Ich bin hier freiwillig! Ich bin Unternehmer! Es ist das Schönste, selbstständig zu sein!
  • Meine Rolle ab jetzt: Explorer = Welche Fragen stelle ich?
  • Das ist meine Verantwortung – das ist deine Verantwortung

Was sind Essentials im NextGen-Coaching?

In den vielen Praxisjahren der Coaching-Begleitung habe ich 40 Essentials für die aktive Alltagsbewältigung im Unternehmen und in der Familie herausarbeiten können. Hier die wichtigsten im NextGen-Coaching:

  • Jeder (auch ich) ist in seiner eigenen Realität, es gibt nicht die DIE Wahrheit.
  • Die Familiendynamik steht immer vor der Unternehmensdynamik, sie ist einfach älter.
  • Ich trenne zwischen Person (»ich nehme es persönlich«) und Profession (»ich nehme es professionell«).
  • Ich stille mein Bedürfnis nach Zugehörigkeit außerhalb des Unternehmens, denn: Führung macht einsam.
  • Ich nehme die Meta-Position ein, betrachte das Geschehen von außen, bin mein eigener Coach und grenze mich ab.
  • Ich erkenne meine Muster, stoppe sie, wenn sie nicht mehr hilfreich sind, erschaffe mir neue Strukturen und neues Verhalten.
  • Reflexion ist mein tägliche Aufgabe: Wer bin ich? Wie bin ich in Beziehung? Welche Folgen hat mein Verhalten? Wofür (statt warum) tue ich das?


Was sind besondere Momente im NextGen-Coaching?

Am Ende jedes Coaching-Prozesses füllen KlientInnen einen Fragebogen aus, die aufgestellten Ziele werden bewertet, die Gewinne und konkreten Änderungen benannt, die wichtigsten Erkenntnisse aufgelistet. Ich frage darin nach den besonderen Momenten – hier eine Auswahl von ÜbernehmerInnen-Antworten:

  • »Die erste Sitzung, der Moment des ‚Nebels im Kopf‘. Und dann aus der Situation rausgehen und statt ‚müssen müssen‘ eher das ‚wollen wollen‘. Denn wer soll es tun, wenn nicht ich es tue!«
  • »Die Trennung der Rollen Unternehmen und Familie. An diesem Tag hat es bei mir ‚Klick‘ gemacht. Ich führe ein eigenständiges Privatleben. Das hat nichts mit dem Zusammenarbeiten in der Firma zu tun.«
  • »Das Leben ist nicht Hollywood. Diese Familien gibt es nicht.«
  • »Ein Bild: der positive Zustand der Verwirrung! Es braucht Chaos für evolutionäre Entwicklungen. Ein Leitgedanke, der mich im ersten Jahr geprägt hat.«
  • »Als klar war, dass ich meinen Platz gefunden habe, dies war und ist ein tolles Gefühl.«


Eine Auswahl aus den Fragebogen-Antworten finden Sie auch hier.


Bin ich als NextGen bereit für ein Coaching?

Eine wichtige Frage. Wie in einer Therapie braucht es genügend Leidensdruck, um sich für ein Coaching zu entscheiden. Ein Coaching-Prozess bedeutet vor allem Lernen über die eigene Person, mit allen Sonnen- und Schattenseiten. Es geht zur Sache! Als Coach gebe ich Feedback, konfrontiere und biete Deutung an, was in diesem Moment geschieht und wie KlientInnen auf mich wirken. Das muss man aushalten können. Doch es lohnt sich, das eigene Verhalten zu reflektieren und eine Haltung zu entwickeln.

Denn Coaching, so wie ich es verstehe, ist weit mehr das Erlernen und Anwenden von Tools im Unternehmensalltag. Sie tauchen ein in die Tiefe der eigenen Persönlichkeit und kreieren Einsichten, die über Jahre hinaus wirken – im Unternehmen, in der Familie und bei Ihnen selbst.